Die Geschichte des Tempo Club begann nicht erst mit Fahrzeugen, Ersatzteilen und Archiven. Entscheidend waren Menschen, die bereit waren, ihr Wissen weiterzugeben, Türen zu öffnen und einem jungen Club Vertrauen zu schenken. Einige kannten das Tempo-Werk noch aus eigener Anschauung, andere waren durch ihre Familie seit ihrer Kindheit mit der Marke verbunden. Sie gaben uns Unterlagen, erzählten, was in keinem Prospekt stand, ermöglichten den Zugang zu historischen Beständen und setzten sich persönlich für den Club ein.
Ohne Persönlichkeiten wie Peter Meinecke, Dietrich Vahldieck, Edmund Vidal, Arnold Berke und Edzard Runge wäre der Tempo Club heute nicht das, was er ist. Diese Seite erinnert deshalb nicht nur an ihre Verbindung zu Tempo, sondern an die Menschen und an das, was sie dem Club mitgegeben haben.
Stellvertretend für viele
Die Menschen, die wir auf dieser Seite vorstellen, stehen stellvertretend für viele Wegbegleiter, Zeitzeugen, Mitglieder und Freunde, die den Tempo Club seit seinen Anfängen unterstützt haben. Manche öffneten Archive und Türen, andere stellten Fotos und Unterlagen zur Verfügung, halfen mit technischem Wissen, Ersatzteilen oder persönlichen Erinnerungen oder engagierten sich über viele Jahre ganz praktisch für den Club.
Diese Seite ist deshalb keine Rangliste und keine abschließende Aufzählung. Dass ein Name hier noch nicht erscheint, bedeutet nicht, dass sein Beitrag weniger wichtig war. Viele dieser Geschichten müssen erst wieder zusammengetragen werden. Diese Seite soll mit ihnen weiter wachsen.
Peter Meinecke – ein Gedächtnis des Hamburger Werks
Peter Meinecke gehörte zu den ersten Menschen aus dem Hamburger Werk, die unsere historische Arbeit unterstützten. Als ich ihn 1997 kennenlernte, war er bereits im Ruhestand. Seine eigene Geschichte im Werk reichte jedoch bis in die frühen 1950er-Jahre zurück.
Aus seinen Erinnerungen lässt sich sein Eintritt heute recht gut eingrenzen. Meinecke erzählte mir sinngemäß: „Den mit dem VW haben wir schon nicht mehr gebaut, als ich in die Lehre kam.“ Da der Matador mit VW-Motor noch bis 1952 gebaut wurde, spricht vieles für einen Lehrbeginn 1953. Aus seiner Lehrzeit erinnerte er sich besonders an die Schwierigkeiten mit den Motoren des neuen Matador 1000: Reihenweise hätten Fahrzeuge im Werk gestanden, an denen gearbeitet werden musste. Nach seiner Schilderung wurden schließlich auch Lehrlinge unter Anleitung zu den notwendigen Arbeiten und Motorwechseln herangezogen. Die erhaltenen Kundendienst- und Werksunterlagen lassen heute erkennen, wie intensiv die technische Nacharbeit in dieser frühen Phase tatsächlich war.
Jahrzehnte später wurde Meinecke auf andere Weise zum Bewahrer der Werkgeschichte. In der Mitarbeiterzeitung „Sternstunde“ betreute er die historische Seite. Während die meist etwa 16 Seiten umfassende Zeitung aktuelle Themen des Werks behandelte – von Mitarbeiterbefragungen und Qualitätsverbesserungen bis zur Kantine –, war regelmäßig eine Seite der Geschichte des Standorts und seiner Fahrzeuge gewidmet. Bei vielen dieser historischen Beiträge findet sich Peter Meineckes Name.
Seit Ende der 1990er-Jahre schickte er Ausgaben der „Sternstunde“ und weitere historische Unterlagen an den jungen Tempo Club. Er beantwortete Fragen und lieferte Hintergrundwissen, das sich aus technischen Unterlagen allein nicht gewinnen ließ. Damit wurde aus einem ehemaligen Lehrling des Werks Jahrzehnte später einer derjenigen, die dessen Erinnerung an die nächste Generation weitergaben.
Für den Club bedeutete Peter Meinecke eine frühe Verbindung zur gelebten Werkgeschichte: eigene Erinnerung, historische Recherche und die Bereitschaft, Wissen und Dokumente mit uns zu teilen.
Peter Meinecke starb 2019. Einige wenige erhaltene Tempo-Erinnerungsstücke aus seinem Nachlass wurden dem Club später noch zur Verfügung gestellt. Auch dadurch blieb ein kleiner Teil dessen erhalten, was Meinecke über viele Jahre gesammelt und weitergegeben hatte.
Dietrich Vahldieck – Bewahrer der Tempo-Geschichte
Dietrich Vahldieck verband zwei Welten, die für unseren Club entscheidend wurden: Er gehörte selbst zum Hamburger Werk – und später zum Leitungskreis des Tempo Clubs. Als gelernter Kfz-Mechaniker war er fast vier Jahrzehnte in der Harburger Automobilfabrik tätig und leitete zuletzt die Instandhaltung.
Er gehörte zu den Menschen im Werk, die verstanden, dass die dort noch vorhandenen Tempo-Fahrzeuge nicht einfach alte Gebrauchsgegenstände waren, sondern Zeugnisse der Geschichte des Standorts. Gemeinsam mit Kollegen wurden die historischen Fahrzeuge betreut und restauriert. Presseberichte aus den Jahren 2004 und 2015 dokumentieren diese Arbeit und zeigen Vahldieck später gemeinsam mit Roland Toll bei der historischen Tempo-Sammlung im Hamburger Werk.
Bei einem Besuch im Hamburger Werk 1997 kam es im Bereich der damaligen Neuwagenauslieferung auch zu einer zufälligen Begegnung mit Peter Meinecke, aus der ein weiterer für den späteren Club wichtiger Kontakt entstand.
Vahldieck blieb nicht nur ein freundlicher Ansprechpartner „bei Mercedes“. Er wurde selbst Teil unseres Clubs und gehörte dessen Leitungskreis an. Mit Roland Toll arbeitete er unmittelbar für die Bewahrung der Tempo-Geschichte.
Besonders nachhaltig war sein Einsatz vor seinem Ruhestand. Als das historische Werksarchiv um das Jahr 2000 an das Museum der Arbeit in Hamburg überging, sorgte Vahldieck nach unserer Clubüberlieferung dafür, dass die Verbindung nicht abriss. Über Kai-Uwe Wahl blieb die Arbeit mit dem Bestand möglich. Vahldieck nutzte seine Möglichkeiten innerhalb des Konzerns, um dafür eine offizielle Erlaubnis zu erreichen.
Für den Club war Dietrich Vahldieck eine Brücke zwischen Werk und Verein. Er half nicht nur, historische Fahrzeuge zu bewahren, sondern auch den Zugang zu Wissen und Archivbeständen über institutionelle Veränderungen hinweg zu erhalten.
Edmund Vidal – die persönliche Verbindung zur Familie hinter Tempo
Als Sohn von Oscar Vidal wuchs er mit dem Unternehmen und dem Werk auf. Ein erhaltenes historisches Foto zeigt ihn bereits als Jungen am Steuer eines Tempo V600 – ein ungewöhnlich unmittelbares Bild dafür, wie eng Familien- und Werkgeschichte bei den Vidals miteinander verbunden waren.
Auch nach dem Ausscheiden der Familie aus der Tempo-Produktion blieb Edmund Vidal unternehmerisch tätig. Oscar und Edmund Vidal führten Vidal + Sohn als Hamburger Handels- und Serviceunternehmen weiter. Aus der früheren Automobilfabrik war längst eine andere Unternehmenswelt geworden, doch die Verbindung zur eigenen Geschichte blieb bestehen.
Für den Tempo Club war Edmund Vidal jedoch nicht deshalb wichtig, weil er einen bekannten Familiennamen trug. Entscheidend war, dass er bereit war, diejenigen persönlich zu unterstützen, die Jahrzehnte später versuchten, die Geschichte von Tempo zu bewahren. Über die familiären Kontakte zu Roland Toll entstand eine enge Verbindung. Edmund Vidal wurde Mentor, Förderer und Fürsprecher des jungen Clubs, war Gast bei mindestens einem unserer Treffen in Hitzacker und setzte sich auch gegenüber DaimlerChrysler für den Tempo Club ein.
Damit gab er dem jungen Verein etwas, das sich nicht organisieren oder kaufen ließ: Vertrauen aus der Familie, die hinter Tempo stand. Vieles wäre ohne seine Unterstützung schwieriger gewesen; manches vermutlich überhaupt nicht möglich geworden.
Edmund Vidals Unterstützung bleibt Teil unserer Clubgeschichte.
Arnold Berke – Tempo als Familiengeschichte
Bei Arnold Berke reicht die Verbindung zu Tempo ebenfalls weit über das spätere Oldtimerhobby hinaus. Sein Vater betrieb bereits in den 1930er-Jahren in Dortmund eine Tempo-Vertretung. Tempo gehörte damit schon zur Familiengeschichte, lange bevor historische Fahrzeuge zu Sammlerstücken wurden.
Arnold Berke arbeitete als Architekt in Dortmund und bewahrte später selbst einen außergewöhnlichen Tempo Hanseat Kombi von 1950. Das Fahrzeug wurde sorgfältig restauriert und blieb nicht in einer Sammlung verborgen: Berke zeigte und bewegte den Hanseat über viele Jahre bei historischen Veranstaltungen. Noch 2017 ist er gemeinsam mit Klaus Beschke mit dem Fahrzeug bei der ADAC Klassik dokumentiert.
Für den Tempo Club brachte Berke damit mehr mit als ein besonderes Fahrzeug. Hinter ihm stand eine persönliche und familiäre Verbindung, die bis in die aktive Zeit der Marke zurückreichte. Sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Verbundenheit mit Tempo gehören zu jenem persönlichen Erfahrungsschatz, von dem der Club profitieren konnte.
Auch seine Geschichte soll auf dieser Seite weiter ergänzt werden, wenn weitere Unterlagen und Erinnerungen aus der Clubgeschichte erschlossen sind.
Dietrich und Harry Bergst – Konstruktion und persönliche Erinnerung
Zu den Persönlichkeiten, deren Wirken für die Tempo-Geschichte und damit auch für die Arbeit des Clubs von besonderer Bedeutung ist, gehört Dietrich Bergst. Ende der 1940er-Jahre übernahm er als neuer Chefkonstrukteur Aufgaben von Otto Daus und prägte damit eine wichtige Phase der technischen Entwicklung im Tempo-Werk. In diese Zeit fiel auch die Entwicklung des ersten Matador.
Für den Tempo Club wurden jedoch nicht nur die erhaltenen Unterlagen Dietrich Bergsts wertvoll. Sein Sohn Harry Bergst half uns mit vielen persönlichen Erinnerungen an seinen Vater, dessen Arbeit und die Entstehungszeit des Matador. Dadurch blieben Einzelheiten erhalten, die in technischen Unterlagen kaum zu finden sind.
Eine besonders anschauliche Erinnerung Harry Bergsts führt unmittelbar in die Nachkriegszeit: Nach seiner Überlieferung wurde an der Konstruktion des Matador auch in der Küche seiner Eltern gearbeitet. Seine Mutter nahm auf einem Küchenstuhl Probe und half damit ganz praktisch bei der Festlegung der späteren Sitzposition.
Das Bemerkenswerte daran lässt sich im ersten Matador bis heute nachvollziehen: Die Position des Fahrers ist durch die Konstruktion weitgehend fest vorgegeben und entspricht tatsächlich einem auffallend aufrechten Sitzen wie auf einem Stuhl. Was zunächst wie eine kleine Familienanekdote klingt, findet damit eine bemerkenswerte Entsprechung im fertigen Fahrzeug.
Aus der langjährigen Fahrerfahrung innerhalb des Clubs wird gerade diese aufrechte Sitzhaltung als außergewöhnlich angenehm und auch auf langen Strecken als wenig ermüdend erlebt. Dass eine mit einfachsten Mitteln erprobte Sitzposition auch im Vergleich mit modernen, vielfach verstellbaren Fahrzeugsitzen noch als ausgesprochen komfortabel empfunden werden kann, macht die Erinnerung Harry Bergsts besonders anschaulich.
So steckt in der Sitzposition des ersten Matador möglicherweise bis heute ein Stück der Bergstschen Küche. Harry Bergsts Bedeutung für unsere Arbeit liegt deshalb nicht allein in den Unterlagen seines Vaters. Mit seinen Erinnerungen hat er dem Club einen persönlichen Zugang zur Entstehungsgeschichte der Fahrzeuge gegeben.
Edzard Runge – praktische Erfahrung aus dem Tempo-Werk
Edzard Runge brachte eine andere, für den Tempo Club ebenso wichtige Form von Zeitzeugenwissen ein: die unmittelbare praktische Erfahrung aus dem Werk. Er hatte bereits als Lehrling bei Tempo angefangen und arbeitete später als Einfahrer im Tempo-Werk. Damit kannte er die Fahrzeuge nicht nur aus Werkstattunterlagen oder aus späterer Liebhaberei, sondern aus dem tatsächlichen Arbeitsalltag ihrer Entstehungszeit.
Für den Club war dieses Wissen außerordentlich wertvoll. Runge konnte praktische Erfahrungen zu den Fahrzeugen und zu ihrer damaligen Handhabung einbringen – Wissen, das sich in keinem Ersatzteilkatalog und keinem Reparaturhandbuch vollständig festhalten lässt. Gerade bei historischen Nutzfahrzeugen sind solche Erinnerungen ehemaliger Werksangehöriger eine wichtige Ergänzung der schriftlichen Überlieferung.
Später verlor sich der Kontakt über längere Zeit. Erst durch seine Frau erfuhr der Club, dass Edzard Runge bereits einige Jahre zuvor verstorben war. Seine Tempo-Modelle vermachte sie einem Hamburger Museum. Damit blieb auch ein Teil seiner persönlichen Beschäftigung mit Tempo über seinen Tod hinaus erhalten.
Für den Club stand Edzard Runge für Wissen aus der Praxis: vom Beginn als Lehrling bis zur Tätigkeit als Einfahrer und später als Zeitzeuge, der seine Erfahrungen mit uns teilte.
Was uns diese Menschen mitgegeben haben
Ein Verein lässt sich an einem Tag gründen. Eine historische Gemeinschaft entsteht erst über Jahre – durch Vertrauen, Wissen und Menschen, die bereit sind, etwas weiterzugeben.
Peter Meinecke gab uns Erinnerungen und Unterlagen aus dem Werk. Dietrich Vahldieck half, Fahrzeuge und den Zugang zur historischen Überlieferung zu bewahren. Edmund Vidal öffnete dem jungen Club als Angehöriger der Unternehmerfamilie Türen und setzte sich persönlich für ihn ein. Arnold Berke brachte eine bis in die Zeit der aktiven Tempo-Vertretungen zurückreichende Familiengeschichte und gelebte Fahrzeugtradition ein. Dietrich Bergsts konstruktives Wissen blieb durch die von seinem Sohn Harry bewahrten Unterlagen für die historische Arbeit zugänglich. Edzard Runge ergänzte diese Überlieferung um praktische Erfahrung aus seiner Lehrzeit und seiner Tätigkeit als Einfahrer im Tempo-Werk.
Der Tempo Club wäre ohne diese Menschen nicht der Club geworden, der er heute ist. Vieles, was heute selbstverständlich erscheint – Wissen über die Fahrzeuge, historische Dokumente, Kontakte zum ehemaligen Werk und das Vertrauen in unsere Arbeit – musste zunächst aufgebaut werden.
Deshalb erinnern wir hier nicht nur an Zeitzeugen. Wir erinnern an Wegbegleiter, die einen Teil ihrer eigenen Geschichte in die Hände des Clubs gelegt haben. Daraus erwächst für uns bis heute die Verpflichtung, mit diesem Erbe sorgfältig umzugehen.
Diese Erinnerung bleibt offen
Diese Seite soll weiter wachsen. Wir möchten nach und nach weitere Menschen ergänzen, die den Tempo Club begleitet, unterstützt und geprägt haben. Denn die Geschichte des Clubs ist nicht nur die Geschichte seiner Fahrzeuge oder seiner Vorstände – sie ist vor allem die Geschichte der Menschen, die etwas dazu beigetragen haben.
Quellen und weiterführende Hinweise
Für die biografische Einordnung wurden neben den Unterlagen und Erinnerungen des Tempo Clubs auch öffentlich zugängliche Quellen herangezogen, darunter zeitgenössische und spätere Berichte über die historische Tempo-Sammlung im Hamburger Werk, Veröffentlichungen des NDR zur Tempo-Geschichte sowie Berichte zur historischen Fahrzeugszene. Angaben aus persönlichen Erinnerungen und der Clubüberlieferung sind im Text entsprechend als solche erkennbar.
